Fritz K. Waechter spricht lange mit mir über die Rätsel von Atlantis. Während wir durch die regennassen Strassen von Athen gehen, erzählt Fritz so plausibel, dass er vergisst, sich wie ein anständiger Tourist zu verhalten.
Es ist unser erster griechischer Tag. Wir betreten ein Restaurant und setzen uns, noch immer vertieft in die Legende, an einen leeren Tisch. Bei Bestellung fällt mir die Tischnummer auf: 23.
Fritz und ich waren auf Einladung des griechischen Kultusministeriums im Dezember 1985 in die Stadt der Akropolis gekommen, um dort unser utopisches Stück „Die Reise nach Aschenfeld“ – nach einem Jahr Aufführungen am Residenztheater München – zum vorläufigen Abschluss zu bringen. Das Kultusministerium hatte dazu auch eine Pressekonferenz anberaumt. Sie fand im Ministeriumsgebäude statt. Zimmer 23.
Nach den zwei Aufführungen im Nationaltheater der Polis fliege ich nach Frankfurt zurück. Mein Sitz trägt die Nummer 23 A.
Drei Tage später lasse ich mir einen neuen Haarschnitt verpassen. Der Friseur schenkt mir eine Shampooprobe. Name 23.
Zwei Tage später kaufe ich Möbel für die Kinder. Sie können unter den Nummern 21 und 23 abgeholt werden. Am gleichen Tag besorge ich noch Lebensmittel im Supermarkt. Ich zahle 21,23 DM.
Abends meditiere ich auf meinem Saxofon die Ereignisse der Reise. Und bin ab sofort als 23 neu inkarniert.

Am 23. Februar 1986 trifft 23 während eines Unterwasserkonzerts im Stadtbad Mitte in Frankfurt auf Ken Campell, den Regisseur der Illuminatentrilogie, den auch Fritz von früheren Inszenierungen kennt.
23 sieht derzeit wie Kent Clark aus.
Sein Auftritt während des Unterwasserkonzerts irritiert. Mit einem blauen Anzug bekleidet, steht er bis zur Brust im Wasser und zerrt zwei Plastikenten mit seinem Matchpartner quer übers Becken. Beide blasen derweil mit Entenlockruftröten und Mundstücken amphibisch ins blaue Nass: „Amphibisches Match“.
Ist das alles? Und: Was soll denn das sein?
Fragen im Publikum.
Auch als 23 einige Monate später, anlässlich eines Telefonkonzerts in der ehrenwerten Kunstschirn in Frankfurt sein Weltsolo per Telefon um den Globus schickt.
Er irritiert.
Bei seinem Projekt „PSI TO LEN“ lässt er eine Burgruine von vier Soldaten in historischen Uniformen in slow motion zu seiner Musik „Anything goes“ bewachen. Diese Musik ist wie ein LSD-Trip. Er nimmt es verdammt ernst mit Paul Feyerabends Aufruf. Auf die radikale Art. Ohne Rücksicht auf Imageverlust.
Nach „PSI TO LEN“ bekommt er einen Auftrag für den Kirchentag ( Ein’ feste Burg ).
Man findet ihn auf Parties seine wilden Rollen performen.
Er spielt, um zu spielen.
„ Anything Goes“. Auf Schallplatte: neu zugeschnittene und neu gemixte neueste Werke dreier Autoren, die nach der cut-up Methode arbeiteten. 23 gestaltet das Cover mit Zeichnungen aus der Zeit seiner Initiation als Träger des Dritten Auges.
Er irritiert.
23 schaltet sich per Telefon in eine Kabelfernsehsendung ein und lässt durch pure Gedankenkraft auf einer weissen Fläche Papier gewisse Bilder entstehen,die ausgestrahlt werden und die Geräte von Zuschauern rot erglühen lassen.
„Red Art“ ist auch der Titel der sehr persönlichen Solo-LP,auf der eine andere Seite seiner 86er Persönlichkeit zum Vorschein kommt.
Spiralartig schliesst er viele offen gebliebene Kreise der letzten Dekade.Alte Texte von ihm,die bisher beiseite geblieben waren;Tapes von liebgewonnenen Gruppen,die nicht veröffentlicht waren;Wiederentdeckungen seiner alten Zeichnungen; Wiederbegegnung und Abgrenzung gegenüber Personen von zehn Jahren zuvor.
Der Architekt steht am Fundament seiner Baustelle,sichtet die 50er,60er und 70er Ruinen,dekonstruiert sie,baut sie ein neben straffen Neubauelementen,spürt die künftige Gesamtanlage und vermag noch nicht,sich einen Überblick zu verschaffen.
23 baut auf.
Ein Duo mit John Zorn.
Ein Duo mit Peter Brötzmann.
Seine Gruppe „Gestalt et Jive“ formt er zu einem Trio.Endlich löst sich für ihn der Sinn dieser Band ein.So sollte die Musik von Anfang an klingen.
Im Verlauf von vier Konzerten kreiert er zusätzlich die Solo-Personality-Show „Red Art“ - mit Blindmalerei,Anleihen von Ausdruckstanz,ekstatischen Texten.Daneben all die Saxofone.
23 baut auf.
Jürgen bekleidet ein hohes Amt und erzählt.Er spricht davon,dass er jeden Abend beim Zähneputzen im Spiegel übt,wie er grüsst,wenn ihm plötzlich ein Ausserirdischer gegenübersteht.Er empfiehlt 23,Doris Lessing zu lesen. „Canopus im Argos“.
23.Hexagramm: „Die Zersplitterung“ : „Das Bett wird zersplittert am Bein.“ Das ganze Jahr über massenweise 23er.In allen Situationen.Aber: Selbst neue Reinkarnationen werden rasch zur Gewohnheit.
Ja,woher wussten denn die Dogon in Afrika die genauen Positionen von Sirius A und B?
Dog on – no goD.
Nap,dog eno.
Lausbübisch stammeln Dichter.
Go No Go.
exPANzion.
23 erhält einen anderen Auftrag.Die Frankfurt Feste in der Alten Oper feiern im August 1987 unter dem Themenkreis „Mythos“ . 23 soll dazu beitragen. Er wählt den Bereich der Zukunftsmythen.Dorthin zieht es ihn.Alle anderen geplanten Beiträge sind sowie zeitlich rückwärts orientiert.
In Zeiten der allgemeinen Zersplitterung,Atomisierung von Individuen und innerhalb der Künste,der grossen Relativierung,
Orientierungslosigkeit,Unübersichtlichkeit ohnmächtig ausgesetzt,den politischen und ökologischen Verhältnissen,meint 23 es mit dem „Anything Goes“ radikal ernst.
Es beschreibt eine tiefe moralische Variante im Verhalten der Gegenwart: Ohne ideologische Umschweife und Rückhalte das alles wahrzunehmen,was ist und es in seiner Anythinggoes-Gestalt zu belassen.Durch bewusstes Annehmen.
Angesichts übermächtiger Katastrophen und der zwangsläufigen Erfahrung,dass wirklich alles geht,versucht 23 seine Angst zu meistern,wissend,dass sein isoliertes Zittern nur einem Teil des Ganzen,der sich allerdings absolut gebärdet,zu verdanken ist,und die verborgene Variable wiederum ihren Teil dazu beiträgt,ihn in einem vergrösserten Spannungsfeld unzähliger Vektoren zu belassen.Eine mögliche Aussicht scheint zu sein, das „Anything“ zu akzeptieren,wie es ist und sich vorsichtig und bescheiden einzugestehen,dass man doch nicht weiss,was wirklich los ist.
23 erinnert sich seines Auftrags.Er will den Gedanken an ein Orchester nicht fallen lassen.Allerdings mag er nur ein improvisierendes Orchester.Er findet das „Mutare Ensemble“ und wünscht sich von ihnen zehn Violinen.Die möchte er einer kleinen Gruppe von Musikern unterschiedlicher Herkunft beigesellen.Einem Kassettenmaschinisten aus der Schweiz.Einem lyrischen Pianisten.Einem Synthesizerspieler.Und am Saxofon: 23 selbst.
Kurz drauf erhält er von Micky Remann einen Text des Apollo 9 Astronauten Russell Schweikart,der davon träumt,dass die Menschheit nun bald durch Auswanderung ins All „neu geboren“ werde.
„Wenn wir uns tatsächlich auf eine Weltraum-zivilisation zubewegen,dann müssen wir diesen Vorgang mit neuen Metaphern veranschaulichen.Das Bild,das ich einführen möchte,ist das von der kosmischen Geburt.Wenn wir diesen Planeten mitsamt der Evolution des Lebens und der menschlichen Geschichte als einziges,sich entwickelndes Lebewesen ansehen,dann mag der Zeitpunkt,da wir mit der Bevölkerung des Weltalls beginnen,der Moment sein,da Mutter Erde neues Leben aussendet – sie gebiert.
Das Gegenteil zur kosmischen Geburt ist der Cowboy-Fortschritt.Der Cowboy sagt: nachdem wir einen Platz genügend versaut haben,ziehen wir weiter,um den nächsten zu versauen.Wenn wir mit der Cowboy-Metapher ins All gehen,haben wir keine Chance,nicht mal mehr auf der Erde.Da gibt es interessante Analogien zwischen der Lage auf der Erde und dem Geburtsvorgang: je näher die Geburt heranrückt,desto grösser wird der Energiebedarf.Immer mehr Giftstoffe werden produziert,mit deren Beseitigung der Körper Schwierigkeiten hat.Wehen setzen ein,die den ganzen Leib durchschütteln.
Ist die Geburt glücklich überstanden,entsteht ein neues Verhältnis zwischen dem Space-baby und Mutter Erde,ein Verhältnis von Unabhängigkeit und Zuwendung.
Ich finde diese Metapher interessant zum Spielen,zum Nachdenken oder zum Verwerfen.Mein Eindruck ist,dass die Astronauten und Kosmonauten,die die Erde vom All gesehen haben,einer bestimmten Verpflichtung unterliegen,die Konturen dieser Erfahrung zu reflektieren und sie anderen mitzuteilen.“
Russell Schweikart.
Das ist der passende Stoff für eine Bearbeitung von Zukunftsmythen.

In der Zwischenzeit.
Ist das Doppelalbum der Gruppe „Gestalt et Jive“ erschienen.
Begegnete 23 den Saxofonisten Werner Lüdi und Hans Koch auf dem Festival "Jazz Meets Art" in der Schweiz unter dem Projektnamen "Fallendes Bild / Stürzender Song".
Hat 23 in Berlin mit Brötzmann eine Duo-LP „Go No Go“ aufgenommen und einen Monat später mit ihm,Sonny Sharrock und anderen auf dem Workshop für Freie Musik der FMP gespielt.
Steht für ihn fest,dass er die Expansion ins All mit Brötzmann und Sharrock zelebrieren will.
Neuformierung des Projektes „exPANzion“:
Streicher entfallen.
Dafür treten auf den Plan: Klaus Koch.Ferdinand Richard.Chris Cutler.Andres Bosshard.Phil Minton.Peter Brötzmann.Sonny Sharrock.Und 23.
Mit allen hat er schon mal zu tun gehabt.In dieser Kombination sieht er die ideale Expansionsmannschaft.
PAN steht für das Viele.
Zion steht für Utopie der Einheit.Das Eine.
Durch das Zusammenwirken beider Wirklichkeiten existiert die Menschheit,indem sie dieses unendliche Spiel permanent ausweitet.
23 über „exPANzion“ :
Russell Schweikart setzt eine Planung,eine Möglichkeit in Bewegung.Seinen Entwurf empfinde ich als mutigen,riskanten und herausfordernden Willen zum sich fortsetzenden Abenteuer Leben zwischen Lust und Leid.Er wird selbst zur Metapher.Kern seiner Sehnsucht: Der Wunsch nach Transzendenz.
In „exPANzion“ möchte ich auf der Grundlage eingeplanter und vorausschauender Grenzüberschreitungen, das Wertmoment der immerwährenden Möglichkeit,auf das Andere hinweisen zu können,darstellen.
23 ist mehr und mehr von dem Vielen angewidert.Dem Musikbetrieb.Den Critickern.Den buhlenden Künstlern.Der immer grösser werdenden Flut der Medien.Ihrer Informationsgeilheit.Ihrer zerstörerischen Macht.
23 entzieht sich ihrem Zugriff.Er verweigert sich.
Teschuwah: Die Zeit der Umkehr.
Richtung auf die Eins.
Die korrespondierende Synchronizität ist eine Einladung,auf dem Abschlussgottesdienst des Kirchentags im Frankfurter Waldstadion,vor etwa 150.000 Seelen Solosaxofon zu spielen. 23 plant allerdings auch an diesem Termin auf dem Anti-Atomkraft-Wackersdorf-Festival aufzutreten.
Während er einen Auftrag für TV-Filmmusik zu den Kirchenfenstern von Johannes Schreiter erfüllt,zeigt er dem Regisseur eines seiner zwanzig Jahre alten Feuergraphiken im Stile Schreiters.Der Regisseur hält es für einen echten Schreiter.
Er beginnt wieder zu malen.
Im Stile Cezannes.
In der Kabbala steht die Zahl 23 für Leben.
So ist das 23.
Im Mai erfährt er zu seinem Erstaunen,dass das Konzert in der Alten Oper exakt einen Monat später stattfinden soll. 23 ist besorgt.Er telefoniert mit allen beteiligten Musikern und muss schmerzlich erfahren,dass längst nicht mehr alle Spieler im September frei sind.Was nun?
Es ergibt sich,dass 23 für das Musica-Festival in Straßburg den Auftrag erhält,am 26.September ein Konzert mit einer ähnlichen Besetzung wie auf seiner Platte „This Earth!“ (ECM) zu organisieren.Somit entfällt auch die Möglichkeit,eine angemessene Probezeit für das vorgesehene Konzert in der Alten Oper einzuplanen.
In dieser Lage bleibt für 23 nur der Weg in ein neues Projekt,mit dem er beide Aufträge erfüllen kann.Er erinnert sich an den Roman „Shikasta“ aus der Reihe „Canopus im Argos“ von Doris Lessing.
Er findet,dass diese Thematik eine logische Fortsetzung seiner ökotopischen Anliegen auf „This Earth!“ darstellt und exzerpiert vier kurze Abschnitte des Romans für Maggie Nicols und Phil Minton als Frau-und-Mann-Gesangsarchetypen,sowie Paul Bley,Barre Phillips und sich selbst.Das Projekt erhält den Namen „Bemerkungen über den Planeten Shikasta“.

Der Roman „Shikasta“ beschreibt wie ausserirdische Gesandte aus dem Reich Canopus im Sternbild Argos,die Erde – Shikasta,die Verletzte,die Zerstörte,früher Rohanda,die Blühende – mit ihrer wohlwollenden Intelligenz betreuen.
Was Doris Lessing entwirft,ist eine Menschheitsgeschichte,gesehen mit den Augen einer zeitlosen,Jahrtausende mühelos durchschreitenden,gütigen Intelligenz.Es ist eine phantastische,zutiefst moralische Geschichte,eine Vision von Zorn und Trauer.
„...The inhabitants of Shikasta,engaged in destroying themselves,soon to face the intensive,if short,final phase of their long orgy of mutual destruction,were not entirely unaware of their situation.A feeling of foreboding was general,but was not commensurate with the situation,not specificto the various dangers.Alarms and warnings were frequent,but related to an aspect or part of the situation:These preoccupied them for a while, and were then forgotten as another crisis arose and seemed overriding.A few Shikastans,and in all countries,understood quite well what was happening....“
Doris Lessing
Nach einem Festivalauftritt mit „Gestalt et Jive“ stellte sich heraus,dass das Wackersdorf-Festival wegen befürchteter Regenfälle geplatzt war. 23 hatte zuvor definitiv für den Abschlussgottesdienst im Waldstadion von Frankfurt/Main zugesagt.
Am Abend vor der Probe spielt „Gestalt et Jive“ in Ulm.Am folgenden Tag um acht Uhr früh ist Probe im Waldstadion.So stellt der Kirchentag für 23 einen Fahrdienst bereit,der ihn mit ungefähr 230 Sachen über die Autobahn nach Ulm und zurück bringt.
Der Gottesdienst wird live im Fernsehen übertragen.Der Kanzler wird mit einem Helikopter direkt eingeflogen.Viele grosse Tiere aus der Politik sind anwesend.
In der Stadionmitte spielen hunderte von kirchlichen Blasorchesterblechbläsern ihre sakralen Weisen.Dann zehn Minuten Erstaunen für die Seelen: 23 Tenorsaxofon solo in schwarzer Gummijacke, von der Kanzel herab.
Für Juli erhält 23 vom Hessischen Rundfunk den Auftrag,ein Hörspiel zu produzieren. In der dafür vorgesehenen Studiozeit entstehen drei Hörspiele.
BOYS MEET GIRL
„We love sweets like babies.We dont love no lumps of cheese,and tough bread,no we just like to eat soft stuff,soft bread,soft ice-cream,soft chocolate,soft mush,soft potatoes,soft jam,and peanut-butter,we dont except at a little meat we dont really chew.Well,and if we dont,said Jo.Soft eats make soft men,said Peter.“
(Aus: Gertrude Stein, „Brewsie and Willie“)
Eine Gruppe Jugendlicher trifft sich mal so.Die Boys umbuhlen das Girl.Die immer wieder gleichförmig wiederkehrenden reduzierten Statements erhalten im Kontext der „sprechenden“ Saxofon-,Trompeten- und Posaunenstimmen jeweils neue Bedeutungen.Die wild boys trumpfen mit ihrer ihnen eigenen Charakterstärke auf.Da ist der zerrissene Draufgänger,der beruhigende Phlegmatiker,der Elegant,der miese Nörgler usw. 23 hatte diesen Text bereits 1982 in sein Grosstadtamalgamnonett „Reklame der Wirklichkeit“ auf Kassette einmontiert.
AXIOM
„Was nicht verboten ist,das ist erlaubt“.
Ein maschinell rotierndes,messerscharfes Mantra.Die Message spuckt sich in ihrer eigenen Form aus.Und was von einem auffordernden Imperativ übrigbleibt,ist überraschenderweise schon immer vorhanden gewesene doppelte Tautologie.
Aus Sätzen von Astronauten und Kosmonauten,Auszügen von Paul Scheerbart und einem Protokoll einer telepathischen Kontaktaufnahme zu Ausserirdischen im Sternbild der Plejaden einer Studiengruppe in Santa Fe,USA, montierte 23 den Text zu dem dritten und längsten seiner Hörspiele:
DASS SIE IM ALL SIND,DAS IST SCHON MERKWÜRDIG!
23 will das Projekt „exPANzion“ nicht aufgeben.
Teilnehmer des Projekts auf neuem Terrain sollen nun sein:
Sonny Sharrock,Peter Brötzmann,Phil Minton,Andres Bosshard,Chris Cutler,der Astronaut Russell Schweikart als Sprecher seiner Texte,der Astronaut Sun Ra,nebst zwei Mitgliedern seines Arkestras und 23.
Schnitt von „Plan Eden“ / Arealerweiterung im 23er Galeriegebäude / Gestalt et Jive / Documenta Radio X-Teilnahme / harmonische Konvergenz / Mike Hentz tanzt / Sun Ra meets / Indulis Bilzens / am Walkie Talkie / John Cage / Goebbels Geburtstag / Terrasse 23 / „Plan Eden“ erscheint.
Augustkonzerte mit Sharrock,Brötzmann und „Aleister and Alice“.
Mitternacht im Park der Orangerie von Straßburg.Abseits der von den Lichtern des Bretonen Yann Kersale verzauberten Lindenallee zum Palais Josefine steht das holländische Spiegelzelt,in dem bei „musica 87“ ein prominentes Häuflein musikalischer Freigeister das Tonbild von Shikasta,der zerstörten Erde,zeichnet.
Einen Tag später in der Alten Oper.
Cut.
23 fliegt nach Victoriaville in Kanada.
Festivalauftritt des „Duo Goebbels/Harth“.
Dort springt 23 auch noch für Don Cherry & Tim Berne ein im Projekt „Der Mann im Fahrstuhl,Aufzug,Anzug“ nach Heiner Müller, aufbereitet von Heiner Goebbels,zusammen mit Fred Frith,Arto Lindsay,Chris Cutler und Andre Duchesne.
SNAFU (Situation Normal All Fucked Up):
Zersplitterte Zeitpyramide. Simulationszeitalter. Anything Goes – Jazz ist eigentlich ein querstehendes Gefühl.
Im Anschluss ist 23 in Montreal und nach einem Dutzend Jahren erstmals wieder in New York City.
UNSERE POESIE JETZT
IST DIE ER-KENNTNIS DASS WIR NICHTS
BESITZEN
ALLES IST DAHER EIN
VERGNÜGEN
(DA WIR ES NICHT BE-SITZEN) UND DESHALB SEINEN
VER-LUST NICHT FÜRCHTEN
MÜSSEN
WIR BRAUCHEN DIE VERGANGENHEIT NICHT ZU ZERSTÖREN: SIE
IST FORT;
JEDEN AUGENBLICK KÖNNTE SIE WIEDERKEHREN,GEGENWART
SCHEINEN,
SEIN
. WÄRE DAS EINE WIEDERHOLUNG? NUR WENN WIR
DÄCHTEN,WIR
BESÄSSEN SIE, ABER DA WIR’S NICHT TUN, IST SIE FREI
UND WIR EBENSO.
New York City / Timetunnel
24.Hexagramm: Die Wiederkehr
Wenn das Obere vollkommen zersplittert ist,
kommt es unten zurück.
Gelingen. Ausgang und Eingang ohne Fehl.
Hin und her geht der Weg.
Nach einer Zeit des Verfalls kommt die Wendezeit.
Das starke Licht tritt wieder ein, wie zuvor.
Es gibt Bewegung.
Aber es ist keine erzwungene Bewegung.
Altes wird abgeschafft,Neues eingeführt.
(Aus dem I Ging )
Ab 1+9+9+5 global.
ALLES WAS NOTWENDIG IST, IST EIN LEERER
ZEITRAUM,UM IHN AUF SEINE EIGENE MAGNETISCHE WEISE WIRKEN
ZU
LASSEN.
SCHLIESSLICH WIRD GENUG DRIN SEIN DAS PFEIFT. UM ES AUF ALL
DIESE
VERSCHIEDENEN MERKMALE ANZUWENDEN, REDUZIERT ER ES
NOTWENDIG
AUF ZAHLEN. ER HAT AUCH EINEN MATHEMATISCHEN WEG ZUR
HERSTELLUNG
EINER ENTSPRECHUNG ZWISCHEN REIHEN GEFUNDEN.
John Cage, Silence

23 trifft auf denselben Hund von damals.
Diesmal weicht der Köter aus.
23 auf dem Times Square: Eine crowd vor zwei nietenübersäten agitiernden Schwarzen. Ihre stärksten Bilder: Judäa and UFO. Der mit der Sonnenbrille zeigt sofort starr auf 23 und schreit ins Mikrofon:“You white people!“ Und dann: „You Goebbels!“ Tom Cora,der mit 23 auf der Strasse am Times Square steht, ist freundlich und meint, er verwechsele 23 wohl mit seinem Partner und schliesslich hiesse Cora auf italienisch doch das Gleiche wie Harth phonetisch im Englischen.
Lachend gehen sie zusammen zu ihrem Konzert mit George Lewis und Dr.Umezu im nahen Tinpan Alley.
WIR SIND DIE ÄLTESTEN (ES SCHAFFT DIE STILLE) DIE IHRE FLUG-BAHN HABEN IN WISSEN VON JETZTHEIT.
Cut.
Eine Woche Probe in London. Mit der Gruppe OH MOSCOW von Lindsay Cooper.
Zehn Tage später Premiere auf dem Jazzfestival in Zürich.
Cut.
Fritz K.Waechter lädt zu seinem Geburtstag in Frankfurt/Main.Sein Stück „Die Reise nach Aschenfeld“ ist für eine Neuauflage in Berlin nun endgültig gestorben.
Nachfolgeprojekt ist Arrabals „Der Architekt und der Kaiser von Assyrien“ im Schillertheater. 23 und die Regisseurin finden schnell produktive Gemeinsamkeit in einem Gespräch über Atlantis... (Premiere ist dann im Februar 1988)
...und bald wieder 23er. Massenweise.
Advent.
DASS ZWEI ODER MEHR
DINGE GLEICHZEITIG GESCHEHN, IST
ES IST DURCHAUS MÖGLICH DASS ETWAS
IHRE BEZIEHUNG: SYNCHRONIZITÄT. DAS
BRICHT ZUM BEISPIEL
BEDEUTET IM ZENTRUM EIN BEWEGEN NACH AUSSEN IN ALLEN
RICHTUNGEN, UND DAMIT IST ZEIT KLAR
SOLL MAN ANHALTEN UND ES REPARIEREN?
EINLEUCHTEND. ES KÖNNTE AUCH SCHWERLICH ANDERS SEIN.
Zwei Tage später. Konzert des „Duo Goebbels/Harth“ in Tel Aviv.Die Zahl 23 in den hebräischen Buchstaben Beth und Gimel geschrieben und ins Deutsche zurückübersetzt bedeutet Rücken.
Der Rücken – Symbol des Unbewussten.
Die Zahl 23 als Symbol des unbewussten Lebens.
ICH LIBE LEBEN,ICH VERGÖTTERE CHCHAOS. (Jossif Brodskij)
Gespräch mit Heiner Goebbels auf dem anschliessenden Flug nach Athen über Samuel Weber: Dass nichts so ist,wie es scheint.
Zwei Stunden in einem Behälter.
ES GIBT AUTHENTISCH GEISTLICHE PROBLEME.
UND MYSTIK IST EIN ZEICHEN UNSERER SCHWÄCHE,
MIT IHNEN KLAR ZU WERDEN. ANDERS KÄME
ICH NIX DAZU, MIR DIESES ZU ERKLÄREN. (Jossif Brodskij)
Am 23.November Ankunft in Athen.
Geburtsstadt des Rätsels der Dreiundzwanzig.
Mittagessen in einem Restaurant.Es trägt einen Namen,der wie Apo-theose klingt.
23 sitzt an Tisch Nummer 23.An der gleichen Säule,wo er schon vor zwei Jahren sass und seine erste 23 sah.
Die Rechnung ist auf 13 Uhr, 23 Minuten ausgestellt.
Athen ist voll opulenter Symbole.
Omega. UFO. Tempel.
Überall Kanaldeckel mit den Buchstaben EYE.
Die Biene.
23 kauft abends einen goldenen Delphin.
Das Duo-Konzert findet am 24. November statt.
JA,GLÄNZENDE AKUSTIK HIER!...
DAS STADION – EIN EINZIGES GROSSES OHR. (Jossif Brodskij)
Das Alter der zwei Musiker wird auf fünfundzwanzig geschätzt.
Ein stolzer Grieche verkündet: „Hoffentlich bleiben uns diese Kinder noch lange erhalten!“.
Tagsüber,auf dem Markt.
23 betrachtet denselben Papagei wie 1+9+8+5.
Aber er sagt kein Wort.
Keiner sagt ein Wort.
„Auf der Suche nach Schrödingers Katze: Nach der Avogadro’schen Zahl sind in 12 Gramm Kohlenstoff 6 x 10 hoch 23 Atome enthalten.Das Alter der Welt seit dem Urknall beträgt 5 x 10 hoch 17 Sekunden.“
Es sind meine Tiere!
Ein Gedanke.
Es gibt immer Plus Eins.
Verrücktheit offenbart den Kitsch der Seele.
Ich liebe ihn.
23 korrespondiert mit der Managerin von Sun Ra:
„exPANzion“ hat Aussicht auf drei Festivals. Im Herbst 88.
Leverkusen, Zürich,Warschau.
Reif werden,rauskommen und denken
Dann wird die Aubergine glücklich.
Gipfeltreffen.Abrüstungsvertrag.
Dezember 87 ist es.
„Gestalt et Jive“ in Frankreich.
Ein Gedanke.
SKIZZOE WOYZECK ZICKWOLFIN TOT
STILL,ALLES STILL,ALS WÄR DIE WELT TOT.
MARIE,ES WAR WIEDER WAS.
WENN DIE NATUR AUS IST.
UNMÖGLICH! MENSCH!MENSCH! UNMÖGLICH!
DU HAST EIN`ROTEN MUND,MARIE.
IMMER ZU – IMMER ZU!
ZICKWOLFIN TOT?
WIE EIN BLUTIG EISEN.
NOCH NICHT,NOCH NICHT? IMMER NOCH.
TEUFEL,WAS WOLLT IHR?
KALT,NASS,STILL! (Alban Berg)

Cut.
Ein TV-Film. „Die Toteninsel“ – Musik aus den LPs „Melchior“ und „Plan Eden“.
Comic der Furcht.
NUR WER GRÜNDLICH GESTORBEN IST,LEBT WIRKLICH.
Der Regisseur, ein Pfarrer.
Nemo est omeN.
Die Formel. Was will die Formel sagen?
Gedankenhotel.
Zwischen den Jahren 87 & 88 ERKUNDUNGEN FÜR DIE PRÄZISIERUNG DES GEFÜHLS (Rolf-Dieter Brinkmann).
Film in Worten.
WAS SUCHEN SIE DA? LICHT 6 UHR NACHMITTAGS 1 PAAR STEINE 1 WARNSCHILD: PRIVAT.
Hörfilm. Das Ensemble Modern meldet sich allerdings nicht.
23 stellt aus: "Zeichnungen 78/88" in der Galerie endart,Berlin.

MATER NEGRA IN LUMEN EST.
Es hat der Archeus seiner Officien im Leib viele/
Three Quarks For Muster Mark/
Gold & Salz/
Licht des Magens/
Merkur & Fünf/
nap, dog eno/
Bewusstseinsexpander/
teleskopisch gefilmt von Illusionen/
Täglich Brot jenseits von/
Splitteratem aus/
Fokusatem ein -
23 can be a gestalt in time
Alfred 23 Harth, 1988.
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Zur Phase dieses Diarytextes ist der Katalog „Die Zersplitterung - Konzertstationen 1987/8“ herausgekommen mit Dreiklängen aus Visuellem/Texten/Musikstationen von A23H,dem Text „Die immer rinnende Endzeit im Ohr“ von Juergen Abi Schmitt-Rosenthal,dem Text „Die Schrift der Zeichnung“ von Hubertus Gassner sowie einer Flexidisk, bei Wolkeverlag Hofheim,1989.
Über die Phase 1983/4 veröffentlichte A23H den Diarytext „Pharao auf vier Beinen“ mit Abbildungen in „Klangbilder 1“,Herausgeber Juergen Abi Schmitt,JAS Publikationen,1987